Heideldruck: Geht mit CDO Dr. Ulrich Hermann auch die Hoffnung? Wohl kaum!

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Von Andreas Weber | English Version via INKISH

Blickt man in die sozialen Medien wird schnell klar: Was Heidelberger Druckmaschinen betrifft, berührt die Print-Branche. Alle waren und sind überrascht. Zunächst über den Abgang von Finanzvorstand Dirk Kalibe im Sommer 2019, dann im Herbst von Aufsichtsrats-Chef Siegfried  Jaschinski sowie Technik-Vorstand Stephan Plenz. Und nunmehr scheidet bei Heidelberg Dr. Ulrich Hermann als Chief Digital Officer zum Geschäftsjahresende am 31. März 2020 aus. Ist damit das Chaos oder gar der Niedergang perfekt? Nun: Bekanntermaßen frisst die Revolution ihre Kinder. Dennoch sind soviel Dinge auf den Weg gebracht, die kaum mehr zu stoppen sind.

Fakt ist: Heidelberg ist innovativ wie selten zuvor. Die digitale Transformation zeigt Wirkung. Und wird innerhalb und ausserhalb der Druckbranche hoch geschätzt. Denn der Maschinenbauer konnte eine Führungsrolle bei digitalen Innovationen einnehmen, die in Unternehmenskreisen, bei Wissenschaft und Forschung wie auch im Innovationssektor Leitfunktion übernahm und viel beachtet wird.

Fakt ist auch: Die kluge und umfassende Analyse der Branche und damit der Situation von Heidelberg, die Dr. Ulrich Hermann seinen Aktivitäten der letzten drei Jahre zugrunde legt, ist gold richtig. Wenn auch bisweilen schmerzhaft: Druckmaschinen als solide, kapitalintensive Investitionsgüter rechnen sich in der bisherigen Form nicht mehr. Weder für Heidelberg noch für seine Kunden. Produktivitätssteigerungen nur durch verbesserte Maschinentechnik zu erzielen, löst keine Probleme, sondern skaliert sie schlimmstenfalls. Damit steht Heidelberg nicht allein: alle Mitstreiter im Markt betrifft die, von Koenig & Bauer, Bobst, HP, Xerox, Ricoh, Canon und viele mehr. Und mit ihnen zehntausende Druckereien.

Richtig erscheint aus meiner Sicht: Nicht allein die Druckleistung, sondern der Nutzen, der aus automatisierten Druckprozessen inklusive Real-Time-Monitoring etc. entstehen kann, steht im Vordergrund. Je vernetzter, desto besser! Daher sind die neuen Konzepte für Life Cycle Solutions inklusive der Subskription, die Dr. Hermann und seine Teams entwerfen und implementieren konnten, wegweisend und zweifelsfrei zielführend.

Die Frage bleibt nun: Ist Dr. Ulrich Hermann als Chief Digital Officer und ‚Vater’ des Heidelberg Subscription-Modells gescheitert oder nicht? Dazu ergab sich heute morgen ein aufschlussreiches Gespräch.

 


 

Kurzinterview mit Dr. Ulrich Hermann

 

„Die jetzt gewählte Aufstellung im Vorstand ist für die vor uns liegenden Aufgaben absolut schlüssig.”

 

Was macht Sie zuversichtlich, dass Heidelberg weiterhin prosperieren kann?

Dr. Ulrich Hermann: Bei Heidelberg habe ich ja alles das verantwortet, was passiert, wenn die Maschine beim Kunden in Betrieb ist; d.h. Vertrieb, Software, Services und Verbrauchsgüter. Hier macht Heidelberg bereits mehr als eine Milliarde Euro Umsatz — aber hat eben anders als im Maschinenmarkt nur einen verschwindend kleinen Marktanteil. Ein riesiges Potential also, dass wir, wie Sie wissen, durch Vertragsgeschäft im Bereich Managed Services derzeit mit grossem Erfolg erschliessen…

… und welche Rolle spielen Subscription-Lösungen?

Dr. Ulrich Hermann: Die Neuausrichtung hin zu Subskriptions- und Lifecycle-Verträgen, also in wiederkehrendes Vertragsgeschäft, befasst sich nun eben vor allem mit Angeboten, in der Heidelberg tiefer in die Wertschöpfung beim Kunden hineinwächst.

Erscheint plausibel, aber wie weit sind Sie damit gekommen?

Dr. Ulrich Hermann: Das ist heute alles fest in der Organisation verankert. Mit dem Team, das ich in den letzten drei Jahren aufgebaut habe, unter anderem ja dem Vehikel der Heidelberg Digital Unit (HDU), entwickelt sich der Vertrieb Richtung Omni-Channel, der Service Richtung IoT, die IT Richtung Cloud, die Software Richtung Eco System und das Geschäftsmodell von transaktional in wiederkehrendes Geschäft.

Klingt nach einem Neustart. Bei Start-ups ist es wichtig, dass alle Beteiligten eine kluge Exit-Strategie haben. Nun ist Heidelberg zwar kein Start-up mehr, aber durchläuft eine radikale Wandlung. Was steckt also hinter Ihrem geplanten Ausscheiden?

Dr. Ulrich Hermann: Worauf sich Heidelberg konzentrieren muss, ist, die eigene d.h. „interne“ Wertschöpfung mit Blick auf Tiefe und Breite in Ordnung zu bringen. Das hat unser Finanzvorstand ja bereits im Q3 Bericht angekündigt. Die Einschätzung unserer Aktionäre über den Aktienkurs sprechen deutliche Worte, dass es diesen Fokus braucht.

Genau hier muss der Vorstand nun gestaltend tätig werden. Das geschieht in der Regel unter Führung des Fachvorstandes im Finanzbereich oder [des] CEO, nicht eines Vertriebsvorstandes oder CDO und schon gar nicht von der Seite. Die jetzt gewählte Aufstellung im Vorstand ist für die vor uns liegenden Aufgaben daher absolut schlüssig…

… und das heisst?

Dr. Ulrich Hermann: Ich spiele gerne im Feld und warte nicht gerne auf der Ersatzbank auf den nächsten Einsatz. Und hier gibt es viele Unternehmen, die derzeit ihr Zukunftspotential im Bereich IoT erschliessen und Unternehmer suchen, die Veränderungen führen können und sich auskennen.

Welche Vorteile sehen Sie in der neuen, schlanken Orga-Struktur? Welche Aufgaben soll das neue „Executive Committee“ wahrnehmen?

Dr. Ulrich Hermann: Mit dem Executive Committee werden nun die wichtigsten Funktionsbereiche mit operativen Entscheidern unterhalb des Vorstandes besetzt. Da hat Heidelberg Top-Leute mit viel Sachverstand und Führungserfahrung. Mit klaren Regeln gehen die Dinge nun schneller und das ist es, was heute gefragt ist: Geschwindigkeit in der Umsetzung, die einfachste nur denkbare Struktur im Vorstand und der Fokus im Vorstand auf die Strukturanpassung interner Wertschöpfung.

Was war in den über drei Jahren bei Heidelberg für Sie das Spannendste bzw. das Verblüffendste?

Dr. Ulrich Hermann: Heidelberg ist nicht allgemein [sprich: über die Grenzen der Print-Branche hinaus] bekannt als Markt- und Qualitätsführer. Die Heidelberger bauen mit Abstand die beste Maschine. — Wenn ich eines herausheben soll, was mich dennoch verblüfft hat, dann ist sind es die IoT-Fähigkeiten von Heidelberg.

Welche Pläne haben Sie nach dem Ausscheiden? Und: Kommen Sie zur #drupa2020?

Dr. Ulrich Hermann: Selbstverständlich bin ich auf der Drupa. Da wird das gezeigt, was ich mitgestaltet habe. Pläne habe ich noch keine — aber wie Sie sich denken können, viele Ideen!

 


 

Mein Fazit

Die Dinge bei Heidelberg entwickeln sich weit besser, als es auf den ersten Blick aussieht. Die neue Strategie steht. Jetzt muss sie richtig umgesetzt werden. Dazu sind die Weichen gestellt! 

Übrigens: Mein Bericht ist Ausgangspunkt von sehr lebendigen, globalen Fach-Diskussionen auf LinkedIn. Siehe hier den aktuellen Stand der Dinge:

Chuzpe: Great discussion about Heidelberg. Thanks to #INKISH!

 

 


 

 

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